Nebenwirkungen & Kontraindikationen

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Nebenwirkungen & Kontraindikationen

Der kontrollierte, medizinische Einsatz von Cannabinoiden gilt im Allgemeinen als sicher und gut verträglich. Nebenwirkungen treten häufig zu Beginn der Therapie auf, sind dosisabhängig und vergehen meist innerhalb von Stunden bzw. wenigen Tagen.

Wie fast alle Medikamente können auch cannabisbasierte Arzneimittel unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Insbesondere Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) gilt als Hauptverursacher der meisten bekannten Nebenwirkungen der Cannabistherapie.

Obwohl sowohl THC als auch CBD (Cannabidiol) psychoaktiv sind, wirkt CBD nicht berauschend und schränkt die psychomotorischen Fähigkeiten des Patienten nicht ein. Aus diesem Grund wird CBD allgemein sehr gut vertragen.

3MacCallum, C. A. & Russo, E. B. Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. European Journal of Internal Medicine vol. 49 12–19 (2018).

Die Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen einer Cannabistherapie unterliegen interindividuellen Unterschieden und werden u.a. durch Verabreichungsweg und Wirkstoffkombination beeinflusst. Aus diesem Grund können die Nebenwirkungen von verschiedenen cannabinoidhaltigen Medikamenten und Einnahmeformen nur bedingt miteinander verglichen werden.

Nach Darreichungsform

Akute physische Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Appetitsteigerung und gerötete Augen treten häufig auf, werden jedoch generell sehr gut vom Patienten toleriert.

TERPENENPROFIL KANN VERSTÄRKEND WIRKEN

Während Freizeitkonsumenten Cannabis häufig gerade aufgrund des berauschenden Effekts konsumieren, wird dieser von Patienten oft als störende Nebenwirkung wahrgenommen. Sie definiert in vielen Fällen die Grenze der Verträglichkeit und stellt im medizinischen Einsatz eine nicht unwesentliche Hürde in der Dosierung dar.

Schläfrigkeit, Benommenheit und Müdigkeit treten beim Einsatz von THC häufig auf.
Es wird vermutet, dass der sedierende Effekt durch verschiedene Sekundärwirkstoffe wie Terpene und weitere Cannabinoide verstärkt wird. Folglich kann es bei der Verwendung verschiedener Cannabissorten (und dementsprechend verschiedener Wirkstoffprofile) zu einer unterschiedlich starken Ausprägung bestimmter Nebenwirkungen kommen.

THC kann Orientierung, Gedächtnisleistung, Konzentration, geistige Leistungsfähigkeit, Reaktionszeit und Feinmotorik negativ beeinflussen. Aus diesem Grund sollte besonders in der Eindosierungsphase auf das Führen von Fahrzeugen oder schweren Maschinen verzichtet werden.

VORÜBERGEHENDE KARDIOVASKULÄRE NEBENWIRKUNG

Cannabinoide können das Herzkreislaufsystem beeinflussen. Besonders zu Beginn der Therapie und bei cannabisunerfahrenen Patienten kann THC tachykard wirken und zu einem Abfall des Blutdrucks führen. Das kann Schwindel verursachen und das Sturzrisiko erhöhen. Aus diesem Grund sollte besonders bei älteren Menschen und Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen engmaschig kontrolliert und besonders auf eine langsame und stufenweise Eindosierung geachtet werden.

Die kardiovaskulären Nebenwirkungen sind im Allgemeinen transitär und kurzweilig.
Im Hirnstamm findet sich nur eine äußerst geringe Dichte an Cannabinoid-Rezeptoren. Aus diesem Grund bergen Cannabinoide kein Risiko für das Auftreten von Atemdepression wie etwa beim Einsatz von Opiaten.

Auf Risiken und Nebenwirkungen, die mit dem Rauchen von Cannabis in Verbindung stehen, wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Als einzige medizinisch akzeptierte Form der inhalativen Einnahme von Cannabinoiden gilt die Verwendung von validierten Verdampfern.

Nebenwirkungen CBD

CBD wird von der großen Mehrheit der Patienten gut vertragen und weist ein sehr geringes Nebenwirkungsrisiko auf.

Bei der Behandlung von refraktären Epilepsieerkrankungen mit Epidiolex, einem Fertigarzneimittel aus reinem CBD-Isolat, wurden CBD-Mengen von über 20 mg/kg Körpergewicht verbreicht. Bei der Verabreichung solch hoher Mengen konnten Nebenwirkungen wie u. a. Transaminase-Erhöhungen, Appetitverlust, Gewichtsverlust und ein erhöhtes Infektionsrisiko (besondere Virusinfektionen und Lungenentzündungen) beobachtet werden.

Aus diesem Grund sollten bei der Verabreichung von hohen CBD-Mengen beim gemeinsamen Einsatz mit leberschädigenden Medikamenten und bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen eine periodische Kontrolle der Leberenzyme veranlasst werden.

Mögliche Langzeitfolgen des Cannabiskonsums

Laut einem Bericht des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) von 2018 erfüllen etwa 9 % der Cannabiskonsumenten Kriterien einer Abhängigkeit. Die Suchtgefahr liegt somit deutlich unter der von beispielsweise Alkohol oder Tabak.

Nach plötzlichem Absetzen der Medikation können Entzugssymptome wie Unruhe, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit und Übelkeit auftreten. Sie beginnen meist wenige Stunden nach der letzten Einnahme und dauern einige wenige Tage an. Generell werden die Entzugssymptome als mild und vorübergehend beschrieben.
Obwohl es aktuell nur eine begrenzte Anzahl an Studien zu Cannabiskonsumstörungen und zum Cannabisentzugssyndrom gibt, deuten die verfügbaren Daten auf eine niedrige Inzidenz beim Einsatz von Cannabis im therapeutischen Kontext.

Beobachtungsstudien über die Verwendung von Cannabis als Freizeitdroge zeigen, dass häufiger und starker Konsum von hohen THC-Mengen, insbesondere in jungen Jahren, langfristige Auswirkungen auf das sich noch in der Entwicklung befindende Gehirn haben kann. Bei Personen mit individueller oder familiärer Veranlagung kann ein hoher Konsum an THC als Auslöser für Psychosen fungieren. Im Rahmen des ärztlich kontrollierten Einsatzes von Cannabis wurde dies jedoch nur äußerst selten beobachtet.

Studien von Meier et al. und Goldschmidt et al. zeigen, dass Cannabinoide gerade bei Jugendlichen zu dauerhaften Problemen mit Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung führen und somit die schulische Leistung beeinträchtigen können. Bei Erwachsenen konnte eine Studie von Pope et al. aus dem Jahr 2001 zeigen, dass ein starker Cannabiskonsum zwar kognitive Defizite verursachen kann, diese waren jedoch transitär und nach 28 Tagen ohne Konsum nicht mehr feststellbar.

Kontraindikationen der Cannabistherapie

Fertigarzneimittel wie Sativex® und Epidiolex® sind für bestimmte Indikationen zugelassen und haben klar definierte Kontraindikationen, welche in der Fachinformation nachgelesen werden können.

Für cannabinoidhaltige Arzneimittel ohne indikationsspezifische Zulassung (Dronabinol, Cannabisblüten, Cannabis-Vollextrakte) sind Kontraindikationen nicht eindeutig definiert, können jedoch aus bestehenden Studien abgeleitet werden.

Nach aktuellem Stand der Forschung bestehen Kontraindikationen bei bekannter Allergie auf einzelne Wirkstoffe der Cannabispflanze (Cannabinoide, Terpene) bzw. auf sonstige Inhaltsstoffe der Präparate (Trägeröle, Lösungsmittel etc.).

Bei Schwangeren/stillenden Müttern und Patienten mit psychotischen Erkrankungen, schweren Persönlichkeitsstörungen oder Schizophrenie ist die Verwendung von THC-haltigen Präparaten kontraindiziert. Da vermutet wird, dass hohe THC-Mengen bei Personen mit individueller oder familiärer Veranlagung Psychosen auslösen können, empfiehlt es sich, die Familienanamnese des Patienten besonders gründlich zu erfragen.

Bei Kindern und Heranwachsenden, Patienten mit schweren Herz-Kreislauf- oder Lebererkrankungen und Personen mit Drogenkonsumstörungen gilt eine strikte Indikationslage. Ein Einsatz von Cannabinoiden ist unter Umständen möglich, sollte jedoch erst nach gründlicher Nutzen-Risiko-Bewertung durch den behandelnden Arzt veranlasst werden.

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